Alte Musik

MuseScore 2.0 bietet mehrere spezialisierte Funktionen, um die Darstellung alter Musik, besonders von mittelalterlicher und Renaissancemusik, zu realisieren, ähnlich den kommerziellen Editionen des 20. Jahrhunderts.

Notation ohne Unterbrechung der Notenlängen durch Taktstriche

Während Renaissancemusik in der Regel ohne Taktstriche, also nicht in eine Folge gleichmäßiger Takte aufgeteilt, notiert war, sieht die heutige Notation mit (längeren) Notenwerten, die über die Taktstriche hinausgehend aufgeteilt und verbunden sind, deutlich anders aus. Das Erkennen langer Melodiebögen oder wiederholter Motive kann sich dadurch schwieriger gestalten. Deshalb gibt es in MuseScore eine (noch experimentelle) Darstellung, bei der die Notenwerte in voller Länge erhalten bleiben. Diese Darstellung kann aktiviert werden durch Anklicken der Auswahlbox Notendauer über Takte hinweg anzeigen in der Partitur Sektion des „Stil“-Dialogs (zu finden unter StilAllgemein...).

Dialog: Style / General.. / Early Music

Die Anwendung und Darstellung wird sofort übernommen.

Early musig - original
Original Notation (De Profundis Clamavi für 4 Stimmen von Nicolas Champion)

Early music - barred
Vor dem Stilwechsel

Early musign - unbarred
Nach dem Stilwechsel

Beachten Sie, dass diese Funktion noch im Experimentalstadium ist und einige Fehler enthalten kann. Der längste unterstützte Notenwert ist die Longa (eine punktierte Longa wird nach wie vor über eine Taktgrenze hinaus aufgeteilt und übergebunden.). Um die Darstellung der Taktstriche zu unterbinden deaktivieren Sie einfach die Box „Taktstriche anzeigen“ im Dialog „Eigenschaften Notenzeile“. Es gibt aber auch noch eine andere Methode.

Mensurstrich

Weil das vollständige Fehlen von Taktstrichen die Ausführung der Musik für heutige Musiker schwerer lesbar machen kann, sind viele moderne Editionen auf einen Kompromiss ausgewichen: den sogenannten „Mensurstrich“. Bei diesem werden Taktstriche zwischen den einzelnen Notenzeilen gesetzt, statt darin. Dieser „Mensurstrich“ ist also nun möglich.

Doppelklicken Sie auf einen Taktstrich, ziehen Sie das untere Ende auf die Notenzeile darunter und ziehen dann das obere Ende an den unteren Rand der oberen Notenzeile. Tun Sie dies im „Präzisionsmodus“ (halten Sie Umschalt gedrückt). Deaktivieren Sie dann den Taktstrich und die Änderungen sollten nun in der ganzen Partitur angezeigt werden.

Mensurstrich

Es könnte einfacher sein, den Inspekteur zum Wechsel der Zahlen zu benutzen. Um diesen zu öffnen drücken Sie die Taste F8, und wählen dann einen Taktstrich aus. Die korrekten Werte dazu sind:

  Default Mensurstrich
Überspannte Notenzeilen 1 2
Spanne von 0 8
Spanne bis 8 0

Eventuell möchten Sie die Taktstriche am Ende einer Partitur oder eines Abschnittes auf die Voreinstellung zurücksetzen. Dann denken Sie daran die Taste Strg gedrückt zu halten, oder die gesamte Partitur wird sonst zurückgesetzt werden.

Tonumfang

Bevor es das Konzept der absoluten Tonhöhe gab, war es für die ausführenden Musiker nötig Vokalmusik zuerst in einen singbaren Umfang für ihr Ensemble einzurichten. Zur Unterstützung wird manchmal der Ambitus angegeben, aus dem der gesamte Tonumfang einer Stimme schon am Anfang des Stückes ersichtlich ist. Dieser Ambitus ist in der Palette am Ende der Linien-Funktion zu finden. Von dort können Sie ihn auf einen Notenschlüssel am Anfang des Stückes ziehen. MuseScore berechnet den Ambitus dann automatisch und zeigt diesen an.

Ambitus

Der Ambitus betrifft alle Takte bis hin zum nächsten Abschnittsumbruch. Dahinter kann dann ein neuer Ambitus eingefügt werden. Dies kann von Hand oder automatisch durch den Inspekteur gemacht werden. Wählen Sie zuerst den zu ändernden Ambitus aus und editieren Sie die obere oder untere Note von Hand. Für die automatische Einstellung klicken Sie den Tonumfang aktualisieren Button im Inspekteur.

Mensurale Taktangabe

In der Mensuralnotation geben die Taktangaben nicht die Länge der Takte wieder, sondern die Länge der Breven und Semibreven. MuseScore unterstützt mensurale Taktangaben eher als eine Art Anzeige im „Eigenschaften Taktart“-Dialog, denn als Symbol. Eine Möglichkeit der Anwendung ist z.B., wenn Renaissancekomponisten gleichzeitig verschiedene Stimmen in unterschiedlichen Taktarten notiert haben, ohne dabei Triolen zu benutzen (also eine Stimme etwa vier Viertel, eine andere aber gleichzeitig nur drei Viertel enthält). Bearbeiten Sie die Taktangabe für jede einzelne Stimme, bis Anfang und Ende eines Taktes in allen Stimmen übereinstimmt. Wenn das nicht gehen sollte versuchen Sie die Länge der Takte auf den kleinsten gemeinsamen Wert zu erhöhen.

Prolation
De Profundis Clamavi für 5 Stimmen von Josquin Des Prez

Siehe auch

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